Fernüberwachung von RLT-Anlagen – Möglichkeiten von IoT und Remote Service

Raumlufttechnische Anlagen werden zunehmend digitaler. Moderne Regelungssysteme erfassen kontinuierlich Temperaturen, Betriebszustände, Sollwerte, Störungen und zahlreiche weitere Informationen. Werden diese Daten über eine sichere Verbindung zugänglich gemacht, muss sich ein Servicetechniker nicht mehr zwangsläufig direkt vor der Anlage befinden, um sich einen ersten Überblick über deren Zustand zu verschaffen.

Durch Fernüberwachung und Remote Service können Betreiber und Servicetechniker aus der Ferne auf relevante Informationen einer RLT-Anlage zugreifen. Störungen lassen sich schneller beurteilen, Wartungsmeldungen automatisch weitergeben und Einstellungen bei entsprechender Berechtigung überprüfen oder anpassen.

Die Vernetzung schafft damit eine wichtige Grundlage für einen effizienteren Service – und gleichzeitig für weitere digitale Anwendungen rund um den Betrieb von RLT-Anlagen.

Unter Fernüberwachung versteht man die Möglichkeit, Informationen einer technischen Anlage unabhängig vom Standort abzurufen. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Verbindung zwischen der Regelung der RLT-Anlage und einem Netzwerk bzw. einer digitalen Plattform.

Bei modernen RLT-Geräten kann eine solche Anbindung bereits bei der Planung berücksichtigt werden. Je nach vorhandener Regelungs- und Kommunikationstechnik können auch bestehende Anlagen entsprechend ausgestattet werden.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Fernüberwachung und Fernzugriff.

Bei der reinen Fernüberwachung werden Betriebszustände und Meldungen ausgelesen. Ein aktiver Eingriff in die Regelung erfolgt dabei nicht automatisch.

Ein Fernzugriff kann darüber hinaus ermöglichen, Einstellungen zu prüfen oder – sofern technisch vorgesehen und vom Betreiber freigegeben – Veränderungen an der Regelung vorzunehmen.

Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten für Betreiber und Serviceunternehmen. Statt erst nach Auftreten einer Störung und einem anschließenden Vor-Ort-Termin Informationen über die Anlage zu erhalten, können relevante Betriebsinformationen bereits aus der Ferne betrachtet werden.

Welche Informationen verfügbar sind, hängt von der Ausstattung und Regelung der jeweiligen RLT-Anlage ab.

Moderne Geräte erfassen bereits für den normalen Anlagenbetrieb zahlreiche Mess- und Betriebswerte. Dazu können beispielsweise gehören:

  • Temperaturen und Feuchtewerte,
  • Soll- und Istwerte,
  • Betriebszustände von Ventilatoren,
  • Klappenstellungen,
  • Drücke und Druckdifferenzen,
  • Betriebsstunden,
  • Zustände von Kälte- und Wärmepumpentechnik,
  • Filter- und Wartungsmeldungen,
  • sowie Stör- und Alarmmeldungen.

Diese Daten entstehen zunächst innerhalb der Anlagenregelung. Durch eine entsprechende Vernetzung können ausgewählte Informationen auch außerhalb des Geräts zur Verfügung gestellt werden.

Dabei ist jedoch nicht jede RLT-Anlage automatisch für die gleichen Funktionen geeignet. Welche Daten vorhanden sind und ob ein aktiver Fernzugriff möglich ist, hängt unter anderem von Sensorik, Regelung, Schnittstellen und technischer Infrastruktur ab.

Die reine Bereitstellung der Daten ist außerdem nur der erste Schritt. Für Betreiber stellt sich anschließend die Frage, wie aus einer großen Zahl einzelner Messwerte tatsächlich verständliche Informationen werden.

Hier kommen weitere Anwendungen ins Spiel: Betriebsdaten können beispielsweise visualisiert, über längere Zeiträume ausgewertet oder hinsichtlich des Energieverbrauchs analysiert werden.

Besonders interessant wird die Vernetzung einer RLT-Anlage im Servicefall.

Ohne Fernzugriff erhält ein Servicetechniker zunächst häufig nur eine Störungsmeldung oder eine Beschreibung des Betreibers. Für eine genauere Diagnose kann anschließend ein Einsatz vor Ort notwendig sein.

Besteht dagegen ein entsprechender Fernzugriff, können Betriebszustände und Störmeldungen bereits aus der Ferne betrachtet werden. Dadurch lässt sich möglicherweise erkennen, welche Komponente die Störung verursacht hat oder welche weiteren Informationen für die Fehlersuche benötigt werden.

Nicht jede Störung lässt sich aus der Ferne beheben. Muss beispielsweise ein mechanisch defektes Bauteil ausgetauscht werden, bleibt ein Vor-Ort-Einsatz erforderlich.

Remote Service kann einen solchen Einsatz jedoch gezielter vorbereiten. Ist bereits bekannt, welche Komponente betroffen ist, können beispielsweise passende Ersatzteile oder benötigte Werkzeuge direkt eingeplant werden.

In anderen Fällen kann die Ursache tatsächlich in der Regelung oder in einer ungünstigen Einstellung liegen. Wenn ein entsprechender Zugriff freigegeben ist, können Anpassungen gegebenenfalls aus der Ferne vorgenommen werden.

Gerade bei Anlagen, deren kontinuierlicher Betrieb wichtig ist, kann eine schnelle erste Beurteilung hilfreich sein. Dazu gehören beispielsweise RLT-Anlagen für Serverräume, medizinische Bereiche oder Schwimmbäder.

Die Vernetzung technischer Anlagen wird häufig unter dem Begriff Internet of Things (IoT) zusammengefasst. Gemeint ist vereinfacht die Fähigkeit von Geräten und technischen Systemen, Daten über Netzwerke auszutauschen.

Bei einer RLT-Anlage bildet die vorhandene Regelung dabei eine wichtige Grundlage. Sie erfasst die Zustände des Geräts und steuert seine Komponenten. Über geeignete Schnittstellen und eine Netzwerkverbindung können ausgewählte Informationen anschließend für weitere Systeme verfügbar gemacht werden.

Mit der Vernetzung entsteht allerdings gleichzeitig eine wichtige Anforderung: Der Zugriff auf eine RLT-Anlage muss kontrolliert erfolgen und den Anforderungen des CRA (Cyber Resilience Act) unteriegen.

Nicht jeder, der Betriebsdaten betrachten kann, sollte automatisch Einstellungen der Anlage verändern dürfen. Deshalb sind unterschiedliche Benutzerrechte und klar definierte Freigaben wichtig.

Auch Betreiber sollten jederzeit nachvollziehen können, wer Zugriff auf ihre Anlage und die dazugehörigen Daten erhält.

Eine sinnvolle digitale Infrastruktur berücksichtigt deshalb unter anderem:

Verbindung: Wie wird die Anlage technisch angebunden?

Zugriff: Wer darf auf die Anlage zugreifen?

Berechtigung: Welche Informationen oder Funktionen stehen dem jeweiligen Nutzer zur Verfügung?

Datensicherheit: Wie werden Verbindung und gespeicherte Daten geschützt?

Die technische Vernetzung ist damit nicht nur eine Frage der Internetverbindung. Sie erfordert auch ein durchdachtes Zugriffs- und Sicherheitskonzept.

HANSA bündelt die Möglichkeiten zur Fernaufschaltung auf RLT-Anlagen mit integrierter Regelung innerhalb von etaTECH unter etaConnect.

Die Verbindung erfolgt nach Angaben von etaTECH über eine gesicherte Verbindung und ein entsprechendes Portal. Je nach Freigabe kann der Betreiber selbst auf die Anlage zugreifen oder etaTECH kann sich beispielsweise im Störungsfall aufschalten.

Ein wichtiger Anwendungsbereich ist dabei der Remote Service. etaTECH gibt an, dass rund 80 Prozent der Servicefälle an HANSA Lüftungs- und Klimageräten über den Online-Service abgewickelt werden können. Bei weiteren Fällen kann der Fernzugriff zumindest dabei helfen, einen notwendigen Vor-Ort-Einsatz vorzubereiten oder vorübergehende Lösungen zu schaffen.

Auch Wartungs- und Störungsmeldungen können automatisch weitergegeben werden. Bei einer etaConnect-Referenz im Maschinengebäude des ehemaligen Bergwerks Fürst Leopold sendet das HANSA-Lüftungsgerät beispielsweise entsprechende Meldungen per E-Mail an die Leitwarte. Bei Bedarf kann etaTECH anschließend aus der Ferne unterstützen.

Der Fernzugriff kann außerdem für die Optimierung einer Anlage genutzt werden. Ändern sich beispielsweise Betriebsbedingungen, können bei entsprechender Freigabe Einstellungen der Regelung überprüft und angepasst werden.

etaConnect bildet damit vor allem die digitale Verbindung zur RLT-Anlage. Darauf können weitere Anwendungen aufbauen.

Mit etaVisu lassen sich beispielsweise Betriebsdaten übersichtlich visualisieren. HANSA nennt hier unter anderem Temperaturen, Laufzeiten und Energieverbräuche, die über ein Dashboard im Kundenportal dargestellt werden können.

etaWatch legt den Schwerpunkt dagegen auf die energetische Betrachtung und Bewertung der Anlage, indem die für die energetische Bewertung des Gerätes wichtigen Werte gemessen werden, wie insbesondere Strom- und Wärmeverbräuche. etaTECH beschreibt das Modul als Energiemonitoring, mit dem Betreiber Verbräuche und verschiedene Wirkungsgrade im Blick behalten können.

Damit lassen sich die unterschiedlichen Aufgaben klar voneinander abgrenzen:

etaConnect schafft die Verbindung.
etaVisu macht Betriebsdaten sichtbar.
etaWatch unterstützt bei der energetischen Bewertung.

Die Fernüberwachung ist damit nicht nur ein Werkzeug für den Störungsfall. Sie schafft die technische Grundlage dafür, RLT-Anlagen über ihre Betriebsphase digital zu begleiten, schneller auf Probleme zu reagieren und vorhandene Betriebsdaten für Service und Optimierung zu nutzen.

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