Retrofit von RLT-Anlagen – wann lohnt sich die Modernisierung?

Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) werden häufig über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte betrieben. Während dieser Zeit entwickeln sich Ventilator-, Kälte-, Regelungs- und Sensortechnik kontinuierlich weiter. Ein älteres RLT-Gerät kann deshalb grundsätzlich noch zuverlässig funktionieren, obwohl einzelne Komponenten technisch oder energetisch nicht mehr dem heutigen Stand entsprechen.

In diesem Fall muss nicht zwangsläufig das komplette Lüftungsgerät ausgetauscht werden. Mit einem Retrofit können ausgewählte Komponenten einer bestehenden RLT-Anlage modernisiert oder ersetzt werden. Ziel ist es, die vorhandene Gerätesubstanz weiter zu nutzen und gleichzeitig Energieeffizienz, Betriebssicherheit und Anlagenfunktion zu verbessern.

Unter Retrofit versteht man die gezielte technische Modernisierung einer bestehenden Anlage. Anders als bei einem vollständigen Austausch bleibt ein wesentlicher Teil des vorhandenen RLT-Geräts bestehen.

Das Grundprinzip lautet: Erhalten, was weiterhin sinnvoll genutzt werden kann – modernisieren, wo technische oder wirtschaftliche Vorteile entstehen.

Beispielsweise kann das Gehäuse eines älteren Lüftungsgeräts noch in einem guten Zustand sein, während die darin eingesetzten Ventilatoren, Antriebe oder die Regelungstechnik nicht mehr zeitgemäß sind. Statt das komplette Gerät auszutauschen, können gezielt diese Komponenten erneuert werden.

Retrofit unterscheidet sich damit auch von einer normalen Reparatur. Bei einer Reparatur steht die Wiederherstellung der ursprünglichen Funktion im Vordergrund. Ein Retrofit geht einen Schritt weiter: Die Anlage soll technisch verbessert und für den weiteren Betrieb ertüchtigt werden.

Gerade bei großen oder individuell gefertigten RLT-Geräten kann dies interessant sein, weil ein vollständiger Austausch häufig auch bauliche Maßnahmen, längere Stillstandszeiten und erhebliche Investitionen mit sich bringt.

Nicht das Alter allein entscheidet darüber, ob ein Retrofit sinnvoll ist. Entscheidend ist der Gesamtzustand der Anlage.

Ein typischer Anlass ist ein steigender Energieverbrauch. Ältere Ventilatoren und Antriebssysteme können beispielsweise deutlich mehr elektrische Energie benötigen als moderne Lösungen. Auch ungünstige Regelstrategien oder veraltete Sensorik können dazu führen, dass eine Anlage mehr Energie verbraucht als notwendig.

Weitere Gründe können zunehmende Störungen, schwer verfügbare Ersatzteile oder eine nachlassende Leistung einzelner Komponenten sein. Bei integrierten Kälteanlagen kann beispielsweise die verfügbare Kälteleistung mit zunehmendem Anlagenalter zum Thema werden. etaTECH nennt genau solche Situationen als typische Gründe für eine Modernisierung.

Ein Retrofit sollte deshalb insbesondere geprüft werden, wenn:

  • einzelne Komponenten technisch überholt oder verschlissen sind,
  • Energieverbrauch und Betriebskosten auffällig hoch sind,
  • Ventilatoren noch mit älterer Antriebstechnik arbeiten,
  • Steuerungs- und Regelungstechnik nicht mehr zeitgemäß ist,
  • Ersatzteile zunehmend schwierig zu beschaffen sind,
  • die Kälteanlage erneuert werden muss,
  • oder sich die Anforderungen an das Gebäude bzw. die Nutzung verändert haben.

Vor einer Entscheidung sollte deshalb zunächst der tatsächliche Zustand des RLT-Geräts untersucht werden.

Ein Retrofit kann sehr unterschiedlich umfangreich ausfallen. Es kann sich auf eine einzelne Komponente beschränken oder bis zu einer weitgehenden Entkernung und technischen Erneuerung des bestehenden Geräts reichen.

Ein klassischer Ansatzpunkt sind die Ventilatoren. Ältere Ventilator- und Motorentechnik kann durch moderne, effizientere Systeme ersetzt werden. Insbesondere bei langen jährlichen Laufzeiten können dadurch relevante Einsparungen beim Stromverbrauch entstehen.

Auch die Steuerungs- und Regelungstechnik kann modernisiert werden. Dazu gehören beispielsweise Schalttafeln, Feldgeräte, Sensoren, Fühler, Stellantriebe und die eigentliche Regelung. Moderne Regelungstechnik ermöglicht einen stärker bedarfsgerechten Betrieb und schafft gleichzeitig die Voraussetzung für Monitoring oder weitergehende digitale Optimierungen.

Weitere mögliche Retrofit-Maßnahmen sind unter anderem:

  • Erneuerung oder Optimierung der Kälteanlage,
  • Austausch von Wärmeübertragern und Registern,
  • Erneuerung von Klappen und Stellantrieben,
  • Modernisierung von Ventilatoren und Motoren,
  • Filtermanagement,
  • Austausch von Schalttafeln und Feldgeräten,
  • Ertüchtigung einzelner Bauteile,
  • Verbesserung des Korrosionsschutzes,
  • sowie die Nachrüstung von Sensorik und digitalen Systemen.

Wie umfangreich die Modernisierung ausfällt, hängt vom Zustand und Aufbau des jeweiligen Geräts ab.

Der wichtigste Vorteil eines Retrofits besteht darin, dass nicht automatisch eine komplette RLT-Anlage ersetzt werden muss, nur weil einzelne Komponenten technisch überholt sind.

Eine Modernisierung kann die Nutzungsdauer des vorhandenen Geräts verlängern. Gleichzeitig können moderne Komponenten den Energieverbrauch reduzieren und die Betriebssicherheit erhöhen.

Dass relevante Einsparungen möglich sind, zeigen auch konkrete etaTECH-Projekte. Beim Retrofit der Lüftungsgeräte im Filmpalast Lüneburg wurden unter anderem 24 Ventilatoren und zwölf Schalttafeln ausgetauscht sowie die Regelung optimiert. etaTECH gibt für dieses Projekt anschließend Einsparungen von etwa 25 % beim Stromverbrauch und 32 % bei der Wärmeenergie an. Die Werte sind projektspezifisch und lassen sich nicht pauschal auf andere RLT-Anlagen übertragen.

Beim Schwimmsportleistungszentrum Wuppertal wurden sechs Schwimmbadentfeuchtungsgeräte mit einer Gesamtluftmenge von 87.800 m³/h saniert. Dabei wurden unter anderem Plattenwärmeübertrager und Ventilatoren erneuert sowie Korrosionsschutzmaßnahmen durchgeführt. Für dieses Projekt nennt etaTECH eine Einsparung von 25.000 kWh elektrischer Energie pro Jahr.

Neben der Energieeinsparung kann ein Retrofit weitere Vorteile haben: Bestehende Gerätestrukturen können weiterverwendet, Eingriffe in das Gebäude reduziert und Stillstandszeiten gegenüber einem vollständigen Geräteaustausch begrenzt werden.

Ein Retrofit ist allerdings nicht automatisch die beste Lösung.

Ist beispielsweise das Gerätegehäuse stark beschädigt, bestehen erhebliche hygienische oder konstruktive Probleme oder müssten nahezu sämtliche Komponenten erneuert werden, sollte auch ein vollständiger Austausch betrachtet werden.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Wie alt ist das RLT-Gerät?“

Sondern:

„Welche Bestandteile sind noch sinnvoll nutzbar und welche müssen erneuert werden?“

Eine Bestandsanalyse sollte daher technische, energetische und wirtschaftliche Aspekte gemeinsam betrachten. Erst danach lässt sich entscheiden, ob Reparatur, Retrofit oder ein neues RLT-Gerät die sinnvollere Lösung darstellt.

HANSA bündelt die Modernisierung bestehender Lüftungs- und Klimageräte innerhalb von etaTECH unter der Bezeichnung etaXChange.

Am Anfang steht dabei die Betrachtung der vorhandenen Anlage. Untersucht wird, welche Komponenten weiterhin genutzt werden können und an welchen Stellen eine technische Modernisierung sinnvoll ist. etaTECH nennt dabei insbesondere Energieeffizienz, Hygiene und Betriebssicherheit als relevante Kriterien der Bestandsbewertung.

Je nach Ergebnis kann sich die Modernisierung auf einzelne Komponenten beschränken oder umfangreicher ausfallen. Zum etaXChange-Spektrum gehören beispielsweise Filtermanagement, der Austausch von Schalttafeln und Feldgeräten, der Neuaufbau von Kälteanlagen, die Ertüchtigung einzelner Komponenten und bei Bedarf auch eine weitgehende Entkernung des bestehenden RLT-Geräts.

Dabei lässt sich ein Retrofit mit weiteren digitalen Technologien verbinden. Bestehende Anlagen können beispielsweise für Fernzugriff, Monitoring oder Energiemonitoring vorbereitet werden. Damit wird aus der rein mechanischen Modernisierung zunehmend auch eine technische und digitale Modernisierung der RLT-Anlage.

Das Grundprinzip von etaXChange entspricht damit dem eigentlichen Gedanken eines Retrofits: Ein bestehendes RLT-Gerät wird nicht allein aufgrund seines Alters ersetzt. Zunächst wird geprüft, welche Substanz weiterhin sinnvoll genutzt werden kann und mit welchen gezielten Maßnahmen sich Effizienz, Funktion und Betriebssicherheit für die weitere Nutzungsdauer verbessern lassen.

Ein Retrofit ist insbesondere dann interessant, wenn die Grundsubstanz einer RLT-Anlage weiterhin nutzbar ist, einzelne Komponenten aber technisch oder energetisch nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprechen. Die Modernisierung kann dann eine Alternative zum vollständigen Austausch darstellen. Ob sich dies tatsächlich lohnt, muss jedoch immer anhand des konkreten Geräts und seiner Betriebsbedingungen bewertet werden.

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